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Grundeln (Gobiidae)

SchwarzmundgrundelNeogobius melanostomus

Kaum ein Fisch hat sich in Deutschland so rasant ausgebreitet wie die Schwarzmundgrundel: Über das Ballastwasser der Schifffahrt eingeschleppt, besiedelt der kleine Grundfisch heute Rhein, Donau, Elbe und Ostsee in Massen. Ein invasiver Störenfried - aber auch ein extrem fängiger Köderfisch.

Von der RedaktionStand: Juli 2026
Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus) in Seitenansicht
Das Wichtigste in Kürze

Die Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus), regional auch Schwarzmaulgrundel genannt, ist eine kleine, bodenlebende Grundel aus dem ponto-kaspischen Raum (Schwarzes, Asowsches und Kaspisches Meer). Ihr sicheres Erkennungsmerkmal ist der schwarze Fleck am hinteren Rand der ersten Rückenflosse; wie alle Grundeln hat sie zu einer saugnapfartigen Scheibe verwachsene Bauchflossen und keine Schwimmblase. Sie bleibt klein (10-15 cm). Eingeschleppt über das Ballastwasser der Schifffahrt und begünstigt durch den Main-Donau-Kanal, hat sie sich seit den 2000er-Jahren massenhaft in Rhein, Main, Donau, Elbe, Weser und Ostsee ausgebreitet - eine der erfolgreichsten invasiven Fischarten weltweit. Sie verdrängt heimische Grundfische und frisst Fischlaich, dient aber auch Raubfischen als Nahrung. Beim Angeln ist sie massenhafter Beifang und ein sehr fängiger Köderfisch für Zander, Barsch und Wels; gefangene Tiere dürfen nicht lebend in andere Gewässer umgesetzt werden.

schwarzer Fleck
Erkennungszeichenan der 1. Rückenflosse; Bauch-Saugscheibe
10-15 cm
Größeklein; max. ~20-25 cm
invasiv
Statusüber Ballastwasser eingeschleppt

Innerhalb weniger Jahre ist die Schwarzmundgrundel von einem Exoten zu einem der häufigsten Fische in vielen deutschen Flüssen geworden. Wer heute am Rhein oder an der Donau am Grund angelt, hat sie fast garantiert am Haken - oft in großer Zahl. Der kleine Grundfisch aus dem Schwarzen Meer ist ein Musterbeispiel für eine invasive Art: rasant, anpassungsfähig und ökologisch folgenreich. Zugleich ist er für Raubfischangler zu einem wertvollen Köderfisch geworden.

Ein Grundfisch aus dem Schwarzen Meer

Die Schwarzmundgrundel - der Name spielt auf die dunkle Färbung im Maulbereich an, regional sagt man auch Schwarzmaulgrundel - gehört zur Familie der Grundeln (Gobiidae). Ihr Artname melanostomus bedeutet wörtlich “schwarzmündig”. Ursprünglich stammt sie aus dem ponto-kaspischen Raum: dem Schwarzen, Asowschen und Kaspischen Meer sowie den Unterläufen der dort mündenden Flüsse.

Aussehen

Sie ist ein kleiner, gedrungener, bodenlebender Fisch, hellbraun bis grau gefärbt und dunkel marmoriert. Ihr sicherstes Kennzeichen ist der schwarze Fleck am hinteren Rand der ersten Rückenflosse. Wie alle Grundeln hat sie zu einer saugnapfartigen Scheibe verwachsene Bauchflossen, mit der sie sich am Grund und an Steinen festhält; der Kopf ist breit und froschartig, die Augen sitzen hoch. Da ihr die Schwimmblase fehlt, lebt sie strikt grundgebunden. Sie bleibt klein - typisch 10 bis 15 Zentimeter, maximal etwa 20 bis 25.

Die Eroberung der Flüsse

Der Aufstieg der Schwarzmundgrundel ist eine Geschichte der Schifffahrt. Als blinder Passagier im Ballastwasser von Frachtern gelangte sie in neue Gewässer, und die Eröffnung des Main-Donau-Kanals 1992 verband die Systeme von Donau und Rhein. Von da an ging es schnell: Ostsee ab 1990, deutscher Donauabschnitt ab 2004, Elbe und Hamburger Hafen 2008, Rhein ab etwa 2008. Heute besiedelt sie Rhein, Main, Mosel, Neckar, Donau, Elbe, Weser, Oder und die Ostsee - eine der weltweit erfolgreichsten invasiven Fischarten.

Ökologisch ist das problematisch: Als Konkurrent um Raum und Nahrung lässt sie die Dichten heimischer Grundfische deutlich zurückgehen, und sie frisst Fischlaich und -brut - im Rhein etwa setzt sie Jungfische von Flussbarsch und Zander unter Druck. Zugleich hat die Natur reagiert: Räuber wie Flussbarsch, Zander und Dorsch sowie Vögel wie Kormoran und Graureiher nutzen die Grundel längst als Beute. Am Grund frisst sie selbst Muscheln (vor allem die Dreikantmuschel), Krebstiere, Schnecken, Würmer und Insektenlarven. Sie laicht vom Frühjahr bis in den Sommer mehrfach, und das Männchen bewacht das Gelege - die hohe Fruchtbarkeit erklärt ihren Erfolg.

Beifang, Köderfisch und der richtige Umgang

Für Angler ist die Schwarzmundgrundel zwiespältig. Einerseits ist sie ein massenhafter, oft lästiger Beifang, extrem beißfreudig und dazu neigend, den Köder tief zu schlucken. Andererseits ist sie ein hervorragender Köderfisch: Weil Zander, Barsch und Wels ohnehin auf sie eingestellt sind, fängt sie als Köder ausgezeichnet. Manche Angler betreiben inzwischen ein gezieltes “Grundel-Angeln”.

Beim Umgang gilt eine klare Regel: Als invasive Art darf die Schwarzmundgrundel nicht lebend zurückgesetzt und schon gar nicht in andere Gewässer umgesetzt werden - das Verschleppen ist ökologisch schädlich und teils untersagt. Die genauen Verwendungs- und Rücksetzregeln unterscheiden sich regional und sollten vor Ort geprüft werden. Für die Küche ist sie bei uns zu klein; in ihren Herkunftsregionen am Schwarzen Meer wird sie durchaus als Speisefisch genutzt. Wie man mit dem Köderfisch gezielt auf Raubfisch angelt, zeigt die Seite Zander angeln.

Häufige Fragen zum Schwarzmundgrundel

Woran erkennt man die Schwarzmundgrundel?

An zwei Merkmalen. Erstens am auffälligen schwarzen Fleck am hinteren Rand der ersten (vorderen) Rückenflosse - das ist das sicherste Bestimmungszeichen. Zweitens an den zu einer saugnapfartigen Scheibe verwachsenen Bauchflossen, mit denen sie sich am Grund und an Steinen festhält (ein Merkmal aller Grundeln). Ihr Körper ist klein, gedrungen, hellbraun bis grau marmoriert, der Kopf breit und froschartig. Verwechseln kann man sie am ehesten mit der heimischen Koppe (Groppe).

Wie kam die Schwarzmundgrundel nach Deutschland?

Als blinder Passagier im Ballastwasser von Frachtschiffen, teils auch am Schiffsrumpf. Ursprünglich stammt sie aus dem Schwarzen, Asowschen und Kaspischen Meer. Die Eröffnung des Main-Donau-Kanals 1992 verband die zuvor getrennten Systeme von Donau und Rhein und wurde zum Schlüssel für ihre Ausbreitung. Seit den 2000er-Jahren hat sie sich rasant über Rhein, Main, Donau, Elbe, Weser und die Ostsee verbreitet - sie gilt als eine der erfolgreichsten invasiven Fischarten überhaupt.

Ist die Schwarzmundgrundel ein guter Köderfisch?

Ja, sie ist sogar sehr fängig. Als toter (wo erlaubt lebender) Köderfisch fängt sie ausgezeichnet auf Zander, Barsch und Wels - schließlich sind diese Raubfische längst auf die massenhaft vorhandene Grundel als Beute eingestellt. Sie selbst ist extrem beißfreudig und schluckt den Köder oft tief, weshalb sie heute ein massenhafter Beifang ist und einen eigenen kleinen 'Grundel-Angel'-Trend ausgelöst hat. Wichtig: Als invasive Art darf sie nicht lebend zurückgesetzt oder in andere Gewässer umgesetzt werden - örtliche Vorschriften beachten.

Quellen

Stand der Angaben: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr.