raubfischmagazin
Ausrüstung

Angelschnur

Geflochten für den direkten Kontakt, Fluorocarbon fürs unsichtbare Vorfach, Stahl gegen Hechtzähne. Dieser Guide erklärt die Schnurtypen, Durchmesser und Tragkraft und das richtige Vorfach je Zielfisch.

Von der Redaktion Stand: Juli 2026
Angelschnur fürs Raubfischangeln
Das Wichtigste in Kürze

Beim Raubfischangeln ist die geflochtene Schnur die Standard-Hauptschnur: Sie hat praktisch keine Dehnung, ist bei gleicher Tragkraft viel dünner als monofile Schnur und überträgt jeden Kontakt direkt. Monofile Schnur dehnt sich und puffert Fluchten - gut beim Ansitz. Fluorocarbon ist nahezu unsichtbar und dient vor allem als Vorfach. Die wichtigste Regel betrifft das Vorfach: Auf Hecht und Wels gehört ein Stahl- oder Hardmono-Vorfach ans Ende (sonst durchtrennen die Zähne die Schnur), auf Barsch, Zander und Forelle genügt ein Fluorocarbon-Vorfach. Geflochten trägt bei gleichem Durchmesser ein Vielfaches der monofilen Schnur - eine 0,20-mm-Geflochtene hält rund 15 kg, eine 0,20er Mono nur gut 4 kg.

geflochten
Standard-Hauptschnur dünn, tragstark, direkter Kontakt
Stahl
Pflicht bei Hecht & Wels gegen die scharfen Zähne
3-4×
Tragkraft-Vorteil geflochten vs. mono bei gleichem Durchmesser

Die Schnur ist die direkte Verbindung zum Fisch - sie überträgt den Köder, den Biss und den Drill, und am Ende entscheidet sie über Halten oder Reißen. Dieser Guide erklärt die drei Schnurtypen, die Zusammenhänge von Durchmesser und Tragkraft, das richtige Vorfach und die passende Schnur je Zielfisch.

Die drei Schnurtypen

Monofile Schnur

Monofile Schnur (Nylon) hat eine spürbare Dehnung, die Fluchten und Kopfschläge abpuffert, Fehler im Drill verzeiht und Aussteiger reduziert - dafür ist die Bissanzeige weniger direkt. Sie ist günstig und in klarer Ausführung wenig sichtbar. Ideal beim Ansitz, mit Köderfisch und für kampfstarke Fische, bei denen die Dehnung als Puffer erwünscht ist.

Geflochtene Schnur

Geflochtene Schnur hat nahezu keine Dehnung - das gibt direkten Köder- und Grundkontakt, eine sehr sensible Bisserkennung und eine optimale Rutenladung beim Wurf. Sie ist bei gleicher Tragkraft deutlich dünner als Mono und wirft dadurch weiter. Nachteile: teurer, im Wasser sichtbar (daher fast immer mit Vorfach) und bei zaghaft beißenden Fischen etwas mehr Aussteiger, weil nichts gepuffert wird. Acht-fach geflochtene Schnüre laufen reibungsärmer durch die Ringe und werfen weiter als vier-fach geflochtene. Für das Spinnfischen auf Raubfisch ist Geflecht die Standard-Hauptschnur.

Fluorocarbon

Fluorocarbon hat einen Brechungsindex nahe am Wasser und ist dadurch unter Wasser extrem unauffällig. Es sinkt zügig, ist sehr abriebfest (robust gegen Steine, Muscheln und Fischzähne) und nimmt kaum Wasser auf. Nachteile: steifer (Memory-Effekt) und etwas geringere Knotenfestigkeit. Deshalb wird es eher selten als Hauptschnur, dafür hervorragend als Vorfach- und Schlagschnurmaterial eingesetzt.

Durchmesser und Tragkraft

Der große Vorteil der geflochtenen Schnur zeigt sich im direkten Vergleich - viele verwobene Fasern tragen bei gleichem Durchmesser ein Vielfaches der monofilen Schnur:

DurchmesserMonoGeflochten
0,10 mm1,3 kg5,3 kg
0,14 mm2,2 kg7,1 kg
0,20 mm4,2 kg15,0 kg
0,25 mm6,1 kg20,0 kg
0,30 mm7,8 kg30,0 kg
0,40 mm14,0 kg44,0 kg
0,50 mm18,5 kg56,0 kg

Die Werte sind Richtwerte - wählen Sie die Tragkraft immer mit Reserve, denn jeder Knoten schwächt die Schnur.

Das Vorfach und die Schlagschnur

Das Vorfach ist das letzte Stück vor dem Köder und meist ein anderes Material als die Hauptschnur: Fluorocarbon (nahezu unsichtbar) für Barsch, Zander und Forelle, Stahl, Monostahl oder Titan gegen die Zähne von Hecht und Wels. Die eiserne Regel: Auf Hecht und Wels ist ein bissfestes Vorfach Pflicht, sonst durchtrennen die Zähne jede normale Schnur; auf Barsch, Zander und Forelle genügt Fluorocarbon. Beim Wels kommt vor der Hauptschnur zusätzlich eine Schlagschnur (Snag Leader) von 20 bis 30 m und 0,80 bis 1,00 mm zum Einsatz, die Abrieb und Drillkräfte abfängt.

Welches Material für welchen Fisch, die richtigen Längen und der Selbstbau mit Knoten oder Quetschhülse stehen ausführlich im eigenen Vorfach-Guide.

Die richtige Schnur je Zielfisch

ZielfischHauptschnurVorfach
Barsch (Finesse)geflochten 0,08-0,12 mmFluorocarbon
Zander (Spinnen)geflochten 0,12-0,16 mmFluorocarbon
Hecht (Spinnen)geflochten 0,18-0,20 mmStahl (oder FC ab 0,80 mm)
Welsgeflochten 0,50-0,70 mmMonostahl / Geflecht 0,80-1,00 mm
Forelle (Spinnen)geflochten 0,08-0,12 mmFluorocarbon
Aal (Ansitz)monofil 0,30-0,35 mmmonofil / Kreishaken-Vorfach

Praxis und Kaufberatung

Die wichtigsten Knoten sind der Palomar-, Grinner- (Uni-) und Clinch-Knoten zum Anbinden von Haken und Wirbel sowie der FG- oder Albright-Knoten, um Geflecht und Fluorocarbon-Vorfach zu verbinden. Gegen Schnurdrall (etwa vom Spinner) hilft ein Wirbel. Beim Bespulen die Rolle bis 1 bis 2 mm unter den Rand füllen und Geflecht unter Spannung aufwickeln - sonst drohen Windknoten.

Kurz gefasst: fürs Spinnfischen eine 8-fach geflochtene Hauptschnur plus zielfischgerechtes Vorfach - Stahl bei Hecht und Wels, Fluorocarbon bei Barsch, Zander und Forelle. Passend dazu die richtige Rute und Rolle.

Häufige Fragen zu Angelschnur

Geflochten, monofil oder Fluorocarbon - was nehme ich?

Als Hauptschnur beim Spinnfischen die geflochtene Schnur: keine Dehnung, dünn und tragstark, direkter Köderkontakt und weite Würfe. Monofile Schnur nimmt man, wenn Dehnung als Puffer erwünscht ist (Ansitz, Köderfisch) oder man günstig füllen will. Fluorocarbon ist nahezu unsichtbar und sinkt - es wird vor allem als Vorfach eingesetzt, seltener als Hauptschnur.

Wann brauche ich ein Stahlvorfach?

Immer beim Hecht (auch als Beifang) und beim Wels: Ihre Zähne durchtrennen sonst die Schnur. Auf Barsch, Zander und Forelle ist ein Stahlvorfach nicht nötig - hier genügt ein Fluorocarbon-Vorfach, weil diese Arten die Schnur nicht durchbeißen. Wer beim Hecht auf Fluorocarbon setzt, braucht mindestens 0,80 bis 0,90 mm, und selbst das gilt nicht als hundertprozentig bissfest.

Warum ist geflochtene Schnur bei gleicher Tragkraft dünner?

Weil viele verwobene Fasern die Last besser verteilen als die homogene Struktur der monofilen Schnur. Der Unterschied ist groß: Bei 0,20 mm trägt eine Mono rund 4,2 kg, eine Geflochtene rund 15 kg. Deshalb wirft geflochtene Schnur weiter und hat weniger Wasserwiderstand.

Welche Schnurstärke für welchen Fisch?

Grob (geflochten): Barsch-Finesse 0,08 bis 0,12 mm, Zander 0,12 bis 0,16 mm, Hecht 0,18 bis 0,20 mm, Wels 0,50 bis 0,70 mm. Aal-Ansitz eher monofil 0,30 bis 0,35 mm. Das Vorfach wählt man nach Zielfisch: Fluorocarbon bei Barsch/Zander, Stahl bei Hecht/Wels.

Was ist eine Schlagschnur?

Eine Schlagschnur (Snag Leader) ist ein dickeres Schnurstück vor der Hauptschnur, das die Kräfte beim Wurf und beim Drill sowie den Abrieb an Hindernissen abfängt. Beim Wels nimmt man 20 bis 30 m geflochtene Schlagschnur mit 0,80 bis 1,00 mm - ein Muss an scharfkantigen Steinen und Muscheln.

Wie viel Schnur gehört auf die Rolle?

Bis etwa 1 bis 2 mm unter den Spulenrand. Zu wenig Schnur erhöht die Reibung und kostet Wurfweite, zu viel führt zu abrutschenden Schnurlagen und Windknoten (Perücken). Geflochtene Schnur beim Bespulen unter Spannung aufwickeln.

Quellen

Stand der Angaben: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr.